Ist alter Wein immer besser?

Häufig gehen die Menschen von der Regel aus:

Je älter der Rotwein, desto besser.

Doch eines gleich vorab: Wein altert nicht, Wein reift. Das ist ein entscheidender Unterschied, denn das Alter wird immer über eine Zahl definiert. Wie es beim Menschen ist, so ist es auch beim Wein – man ist so alt, wie man sich fühlt.

Ein kleines Beispiel zur Veranschaulichung: Zwei verschiedene Flaschen Rotwein, beide aus dem gleichen Jahrgang, sagen wir 4 Jahre alt. Unter Umständen werden dir jedoch beide Weine kein Trinkvergnügen bereiten.

Der erste Wein hat eine Farbe, die an Ziegel erinnert, und der Geschmack ist säuerlich, fast essigartig. Dieser Wein hat seine besten Jahre hinter sich – traurig, aber wahr. Er ist überreif, „hinüber“, wie man so schön sagt. Nicht einmal zum Entkalken deines Wasserkochers taugt er noch.

Der zweite Wein enttäuscht ebenfalls. Zwar hat er eine schöne, dunkelrote bis violette Farbe, aber sein Bouquet ist kaum ausgeprägt. Im Mund fühlt es sich an, als würde man auf einer frisch geschnittenen Holzleiste herumkauen. Und das Schlimmste daran? Der Wein war richtig teuer!

Beide Weine sind zwar gleich alt, aber nicht gleich reif! Der erste ist überreif, vielleicht hätte er dir vor zwei Jahren gut geschmeckt. Der zweite hingegen ist noch nicht trinkreif. Seine Tannine sind hart, die Aromen verschlossen. In vielleicht drei oder mehr Jahren hätte sich dieser Wein vollständig entfaltet: Die Tannine wären weicher, die Aromen harmonischer, und die Holzleiste würde plötzlich an frisch gebackenes Brot erinnern. Ja, in ein paar Jahren hättest du ihn vielleicht geliebt.

Doch nicht jeder Rotwein ist für die Lagerung geeignet – so wie ein Smart nicht fürs Gelände gemacht ist, sind gewisse Weine nicht für eine lange Reifezeit bestimmt.

Die Farbtheorie beim Rotwein

Die Farbe eines Rotweins verrät uns viel über seinen Zustand und seine Reife. Junge Rotweine besitzen oft eine kräftige, violette bis purpurrote Farbe. Diese lebendigen Farbtöne deuten auf Frische hin und gehen mit einem intensiven Geschmack und kräftigen Tanninen einher.

Mit zunehmender Reife wandelt sich die Farbe. Das Violett schwindet, und der Wein bekommt rubinrote, dann ziegelrote und schließlich bräunliche Nuancen. Ein ziegelroter Farbton kann auf einen gereiften Wein hinweisen, der sich auf dem Höhepunkt seiner Trinkreife befindet. Aber Vorsicht: Zu viele bräunliche Töne könnten darauf hindeuten, dass der Wein überreif ist und seine besten Jahre hinter sich hat.

Die Farbe allein reicht jedoch nicht aus, um die Qualität eines Weins zu beurteilen – sie ist nur ein Puzzlestück in der Gesamtbewertung. Doch wer die Farbnuancen zu lesen weiß, bekommt einen ersten Hinweis darauf, was ihn geschmacklich erwartet.

Ich hoffe, ihr habt etwas gelernt oder seid jetzt ein wenig schlauer als vorher.

Bis zum nächsten Mal.

Cheers!

LAZANIN

Carmen Zanin