Degustationsnotizen - Degustation Vignobles Denz November 2024
Hier findest du meine Gedanken zu den Weinen, die während der Degustation - «Weine aus den Vignobles Silvio Denz» verkostet wurden.
Wenn du mehr über die Degustation selbst erfahren möchtest, dann lies zuerst meinen Blog-Beitrag über die Degustation.
Begonnen haben wir mit dem Weisswein:
Grand Vin Sec de Lafaurie - Peyraguey 2023
Der klassische Verschnitt aus Sauvignon blanc und Semilion, der im Barrique ausgebaut wurde, erinnerte direkt an die grossen Süssweine aus der Region Sautern, allerdings ohne die Süsse. Obwohl der Wein sehr fruchtig ist, ist er für einen Weisswein aus dem Barrique überraschend frisch mit einer angenehmen Säure und trotzdem mit der Finesse, die man von einem solchen Wein erwartet. Sobald man die Lage des Château Lafaurie-Peyraguey sieht, versteht man, warum alles an diesem Wein an einen Sautern erinnert. Weil er direkt aus dem Herzen der nebelverhangenen Weinberge des Sauternes kommt.
Der frische Charakter erinnerte mich an Frühling. Ein gegrilltes Zanderfilet mit Zitronenbutter oder ein Spargelrisotto würden meiner Meinung nach herrlich dazu passen.
Und dann ging es gleich weiter mit Rotwein.
Silvio Denzes bewies der Welt, dass auch ausserhalb der Spitzenregionen grosse Weine produziert werden können und vor allem, dass Bordeaux nicht immer teuer sein muss. Der kräftig beerige Rotwein aus Merlot und Cabernet Franc punktet bei mir mit seinen würzigen Pfeffernoten. Und mit 18 CHF immer noch einer der besseren Preis-Leistungs Bordeaux Weine, die man kaufen kann. An diesem Abend war er sogar für 16,50 CHF zu haben. Ein echtes Schnäppchen, bei dem man gerne zuschlägt. Ich würde ihn zu einem schönen Kalbsragout mit Kräutern und Reis essen, oder mit einem herrlich heissen Pilzragout mit Polenta.
Dann ging es weiter mit dem Château das 2012 in Bordeaux in aller Munde war.
Da ich den Château Faugères schon von anderen Jahrgängen kenne und gerne trinke, gab es hier keine Überraschungen. Wie immer besticht der Wein mit einem seidig weichen Abgang, kräftigen und komplexen Beerennoten und dem herrlichen Aroma von Vanille und Toastbrot. Für ein noch besseres Trinkvergnügen würde ich ihn noch 2 Jahre im Keller lagern lassen. Dann aber würde ich Ihn zusammen mit einem Lamm Carré mit Rosmarin und Knoblauch essen. Als Fleischlose Variante gerne zu einem Linseneintopf mit würzigen im Ofen geröstetem Wurzelgemüse.
Das Schöne an dieser Verkostung war, dass alle Bordeaux-Rotweine aus dem Jahrgang 2019 stammten. Es war schön zu sehen, dass sie alle gleich alt sind, sich aber in unterschiedlichen Stadien ihres Lebenszyklus befinden. Wer mehr darüber erfahren möchte, was die Farbe eines Weines über seinen Lebenszyklus aussagt, kann in meinem Artikel «Ist alter Wein immer besser?» mehr darüber lesen.
Und weil es so viel Spass macht, Weine aus dem gleichen Jahrgang miteinander zu vergleichen, haben wir gleich mit zwei Weinen aus dem gleichen Jahrgang und vom gleichen Weingut weitergemacht.
Den Anfang machte der Zweitwein von Château Péby Faugères.
Le Merle de Péby Faugères 2019
Wahrscheinlich mein coup d'cœur" des Abends. Nichts an diesem Wein fühlt sich zweitklassig an. Ein grossartiger Wein aus dem klassischen Bordeaux-Blend Merlot und Cabernet Sauvignon. Die Aromen von schwarzen Kirschen und die geschmeidige Eleganz sorgen für ein Trinkerlebnis der Extraklasse. Dazu passt eine Entenbrust mit einem kräftigen Jus, oder auch eine Auberginen-Lasagne.
Wer noch eine Wein-Schippe drauflegen möchte, weil mehr einfach mehr ist, kommt beim nächsten Wein auf seine Kosten.
Mit sanfter Eleganz kommt dieser Grand Cru classe Merlot daher. Dunkle Früchte, vor allem Heidelbeere und Vanilleschote geben dem Wein einen süssen Abgang und Noten von dunkler Schokolade machen ihn besonders rund und elegant. Die Tannine sind bereits gut verschmolzen, aber ich würde ihm noch etwas Zeit im Keller geben, um sein volles Potential zu entfalten. Dann aber zu einem herrlichen Rehrücken mit einer Rotweinsauce und Knöpfli, oder ein Steinpilz Risotto mit Trüffelöl verfeinert.
Bei einem stolzen Preis von CHF 149.00 würde ich ihn nur zu besonderen Anlässen öffnen und mich ansonsten an seinem erstklassigen Zweitwein erfreuen.
Weiter ging es mit 3 Weinen aus der Toskana, allesamt vom Weingut Montepeloso, was, wie ich mir habe sagen lassen, so viel wie haariger Berg bedeutet.
Ein Wein der IGT Costa Toscana aus den Rebsorten Sangiovese, Malvasia und Cabernet Sauvignon. Der überraschend frische Wein wird 18 Monate in Barriques ausgebaut. Der sehr ausgewogene Wein mit Noten von Himbeeren ist sehr weich und besticht durch sehr weiche Tannine. Und weil man beim trinken ja bereits in der Toskana ist, kann man auch gleich so weitermachen und dazu ein Wildschweinragout mit Pappardelle essen, oder auch Ribollita ein toskanische Eintopf/Suppen Situation.
Dieser Wein ist die natürliche Weiterentwicklung des Eneo und war eine angenehme Überraschung. Er besticht durch seine komplexeren Aromen, die sicherlich auch darauf zurückzuführen sind, dass für diesen Wein nur die Parzellen mit den ältesten Reben ausgewählt wurden. Die Aromen sind ähnlich wie beim Eneo, wirken aber deutlich reifer und vollmundiger. Abgerundet von schönen Tanninen und den klassischen Aromen, die von einem Ausbau im Holzfass zeugen. Dazu passt perfekt ein paar Geschmorte Rinderbäckchen mit einer kräftigen Sauce, oder auch Melanzane alla Parmigiana (überbackene Auberginen) entschuldigt bitte die vielen Auberginen Gerichte, ich mag die einfach wirklich sehr gerne.
Dieser Wein stammt von bis zu 40 Jahre alten Cabernet Sauvignon Reben.
Aromen von Kräutern geben dem vollmundigen Wein mit seinen satten Tanninen eine frische Note. Ich muss allerdings zugeben, dass er mich nicht ganz überzeugt hat. Ich werde ihn aber in 3 Jahren noch einmal probieren, um zu sehen, wie er sich während der Reifung entwickelt hat. Zu einem kräftigen Wein wie diesem würde ich euch ein Ribeye-Steak mit Rosmarinfrühlingskartoffeln empfehlen, oder ein Chilli sin Carne.
Zum Abschluss der Verkostung sind wir wieder in die Region des Sauternes zurückgekehrt. Ein schöner Abschluss, der uns wieder an den Anfang zurückbringt. Keine Angst, Mathias, ich habe schon gesehen, wie gekonnt du den Kreis geschlossen hast. Hier beginnen wir wieder mit den Zweitweinen des Château Lafaurie- Peyraguey.
La Chapelle de Château Lafaurie 2016
Der weiche Süsswein umschmeichelt den Gaumen und verwöhnt mit Aromen von Akazienhonig. Auch wenn Süsswein oft zur Gänseleber als Vorspeise oder zum Kuchen als Dessert gereicht wird, bin ich der Meinung, dass ein Glas Süsswein auch gerne mal den Nachtisch ersetzen kann. Wer keinen Bissen mehr runter bekommt, aber trotzdem Lust auf etwas Süsses hat, dem empfehle ich ein Glas süssen Sauternes.
Château Lafaurie- Peyraguey 2017
Der erste Wein des 1er Grand Cru Classé Château Lafaurie- Peyraguey ist ein Sauternes wie er im Buche steht. Noten von getrockneter Mango und Ananas mit der zartschmelzenden Süsse von Honig. Ein Hauch von Vanille und kandierten Orangenschalen runden das süsse Geschmackserlebnis ab.
Dazu würde auch herrlich ein Blauschimmelkäse wie Roquefort passen oder wer doch lieber süsses hat eine exotische Mango-Kokos Tarte.